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Michał Budny
Rafał Bujnowski

Die Herbstausstellung im Neuen Kunstverein mit den polnischen Künstlern Michał Budny und Rafał Bujnowski beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Objekt und Malerei und der daraus resultierenden Wechselwirkung von Material, Farbe, Licht und Raum.

Bujnowski wurde für seine Serie „Bilder-Gegenstände“ bekannt, wo er die Alltagsgegenstände oder Baumaterialien, wie z. B. Videokasetten, Ziegel, Holzbretter, Bewegungsmelder, Alarmanlagen etc. imitiert und bis zu 100-fach vervielfältigt. Seit einigen Jahren arbeitet Bujnowski mit der Farbe „lamp black“. Diese hochglänzende Farbe trägt Bujnowski mit breitem Pinsel auf und erzeugt dabei feine Reliefstrukturen, die ein durch die Reflexion des einfallenden Lichtes sich permanent veränderndes, lebendiges Bild entstehen lassen. Bujnowski sieht sich dabei nicht als Schöpfer, sondern als ‘Assistent’. In den im Neuen Kunstverein präsentierten Arbeiten kleidet er seine Malereien in einen vitrinenhaften Rahmen und versieht sie mit einer spiegelnden Verglasung, sodass Raum, Licht und Bild miteinander verschmelzen und sich das Bild je nach Betrachterstandpunkt verändert.

Dabei weisen Bujnowskis Arbeiten immer Nähe zum Alltag auf. Das Bild bleibt als materielles Objekt immer präsent, ob es Alltagsobjekte darstellt oder Licht, Farbe, Pinselstrich und den Raum mit einbezieht. Hausfassaden, Plakatwände, Protesttransparente oder Papstdevotionalien gehören ebenso dazu wie malerische Reproduktionen von Familien- und Zeitungsfotos.

Das Konzept von Bujnowskis Kunst erinnert an einfache Montageanleitungen. Da geht es scheinbar um die richtige Farbe, die vorgegebenen Pinsel oder Werkzeuge und einen Weg, die Werke selbst herzustellen. Waren die Werke früher eher als billige Kunst für den einfachen Haushalt konzipiert, wie in der Serie “Cheap art from Poland”, befinden sie sich seit einigen Jahren mehr auf der Schnittstelle zwischen abstrakter Hochkunst und der Realität von Farbe, Material, Licht und Raum. Ganz bewusst setzen sich die Bilder von Bujnowski von allen poetischen und idealistischen Aspekten der Malerei ab und beziehen sich auf die sachlichen Untersuchungen der Minimal- und Konzeptkunst.

Auch Michał Budnys Arbeit bezieht sich auf konkrete Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs und auf einfache Alltagsmaterialien, ob er nun auf Landkarten oder CD-Player oder auf die Welt seiner persönliche Erinnerung und Emotionen zurückgreift.

Budny beschreibt seine „skulpturalen Illusionen als Versuch, den ‚flachen‘ Blick auf die Dinge ‚draußen‘ plastisch darzustellen oder in ein Abbild der Wirklichkeit zu übersetzen, die aus einer momentanen Täuschung, Sehstörung oder einer Verzerrung resultiert“. Seine oft fragil wirkenden Arbeiten scheinen gleichsam zwischen Bild und Objekt zu changieren und nehmen die Gestalt skulpturaler, aber gleichzeitig temporärer Erscheinungen an, die trotz ihrer formalen Zurückgenommenheit und ephämeren Natur eine starke Präsenz im Raum erlangen.

Eine weiße Folie an der Wand des Kunstvereines, eine glänzende Fläche auf dem Boden, ein kaum sichtbarer Faden, der den Raum unterteilt: Budnys einfache Eingriffe nehmen Bezug auf den Ort und verwandeln ihn in eine imaginäre Landschaft, in der sich der Betrachter spiegeln kann. Gerade weil so wenig zu sehen ist, verlangen Budnys Kompositionen eine Konzentration auf das Wesentliche.

Schon immer haben Michał Budnys Skulpturen und Installationen das Verhältnis von Objekt und Raum ausgelotet, von Proportionen und ihren Veränderungen, von Anwesenheit und Verschwinden. Gleichwohl ist der Aspekt einer imaginären Verdoppelung dessen, was ist und dessen, was vorgestellt werden kann, mit der Zeit stärker in den Vordergrund getreten.

Budnys Materialien – Folien, Klebeband oder Papier und Pappe sind so alltäglich wie einfach, so funktional wie jedermann zugänglich. Es sind keine soliden Materialien, sondern solche, deren Benutzung und Alterung Spuren hinterlässt, die, die Zeit und deren Vergänglichkeit in sich tragen.

Budny reflektiert ebenso wie Bujnowski das Verhältnis vom künstlerischem Werk, Material und Wahrnehmung und letztlich das Entstehen, die Rezeption und das Vergehen von Kunst. Dabei sind Bundys und Bujnowskis Themen, die Beziehungen zwischen Fläche, Oberfläche und Raum, der Gegensatz von Licht und Schatten, die Wirkung von Farbe und Material, das Spiel mit Illusion und Realität eines künstlerischen Werkes, letztlich die Grundlagen künstlerischer Arbeit und ihrer Wirkung.

Michał Budny

Michał Budny wurde 1976 in Leszno, Polen geboren, lebt und arbeitet in Warschau. Ausstellungen (Auswahl): 2011 Frischzelle_14: Kunstmuseum Stuttgart, Germany, Between, Kunstverein für die Reinlande und Westfalen, Düsseldorf, Germany Mirror; Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien; 2010 …um so mehr, Kunsthalle Göppingen, Göppingen; 2009 Works, Centre for Contemporary Art Ujazdowski Castle. Warschau; Swiatlo/Light/Licht, Raster, Warsaw, Poland; 2008 Der große Wurf, Museen Haus Lange – Haus Esters, Krefeld; Winter, Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Wien; 2007 Triennale Kleinplastik, Fellbach; Manipulations, Centre for Contemporary Art Ujazdowski Castle, Warschau, und Laznia Centre for Contemporary Art, Danzig (2006); 2006 Zacheta National Gallery of Art, Warschau; Bielefelder Kunstverein/Kunstverein Nürnberg; Spiralen der Erinnerung, Kunstverein Hamburg; Postmodelism, Bergen Kunsthall; annex14, Bern; 2005 (+ 2007) Johnen + Schöttle, Köln; Prag Bien-nale; 2004 Die leichte Arbeit, Kulturbrauerei Berlin; Rheinschau Köln; 2003 (+ 2005 + 2009) Raster, Warschau.

Rafał Bujnowski

Rafał Bujnowski wurde 1974 in Wadowice geboren Polen. Lebt und arbeitet in Krakau, Polen ; Begründer und Mitgleid der Ladnie Gruppe. Einzelausstellungen (Auswahl): 2011 Johnen Galerie Berlin, 2010 Oczodoly / Gambler, Raster, Warsaw, PL, 2008 IBID Projects, London, 85%, Raster, 2007 Wrong works 2005-2006, Daniel Hug Gallery, Los Angeles, 2006 Recent works, Center for Contemporary Art, Warsaw, 2005 Malen, Kunstverein Duesseldorf, Arndt & Partner, Zurich, Gruppenausstellungen (Auswahl): 2010 Fate Away, Raster, Reykjavik, IS , 2009 Take a Look at Me Now, Centre for Visual Art, Sainsbury, GB International Collection of Contemporary Art, 5th Edition, Centre for Contemporary Art, Warsaw, PL New Acquisitions – Rarely Seen Works, Museum of Contemporary Art, Budapest, H, 2008 Carte Blanche I: alpha 2000 – Kunstpreis “Europas Zukunft”, Museum for Contemporary Art, Leipzig, D, 2007 At Last, Something New!, The National Museum, Cracow, PL, White Out, Kuenstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz, A; Stadtgalerie Saabruecken, Saarbruecken, D, 2005 Poles Apart: Contemporary Polish Art, Rubell Family Collection, Miami.

Fotos | Photos Mario Blum mit Wilfried Vetter
© Neuer Kunstverein Wien

Eröffnung 29.9.2011, 19:00
Ausstellung 
30.9.–19.11.2011
Ort Bauernmarkt 9, 1010 Wien

mit freundlicher Unterstützung
Wien Kultur