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Kay Walkowiak

Habitat

In seiner für den Neuen Wiener Kunstverein konzipierten Ausstellung „Habitat“ setzt sich Kay Walkowiak in unterschiedlichen Medien mit geschichtlich wiederkehrenden Grundtypen geometrischer Formen, deren soziopolitischen Bedeutungen in unterschiedlichen Kulturen und vor allem mit ihrer Performativität auseinander.

So zeigt seine neueste filmische Arbeit „Habitat“ (2015) Relikte menschlicher Unternehmungen in den Randzonen Pekings, die als gescheiterte Investments in Chinas rasantem Wirtschaftswachstum nun brachliegende Zwischenräume darstellen: Ein ausgetrocknetes Palmenhaus-Restaurant, monumentale Rohbaufragmente einer Disneyland-Schloss-Kopie und Wege aus Beton, die von üppiger Vegetation eingenommen, in sich selbst endend erscheinen. Walkowiak fängt die skulpturalen Möglichkeiten dieser Formen in einer Serie von fixen Einstellungen ein, in dem er das Verlassene, das Unbenutzte und das Vergessene zu Orten des Potenziellen werden lässt. Mit einem Lexikon an formalen Assoziationen, welche sich von Platons Ideen zu Positionen modernistischer und postminimalistischer Skulptur hin erstrecken, wird altes Terrain wieder lebendig.

In weiteren in der Ausstellung präsentierten Werken arbeitet Kay Walkowiak konzentriert mit Konzepten der Leere und Fülle, Nähe und Distanz sowie Display und Situation. So betritt der Ausstellungsbesucher den Kunstverein durch eine offene geometrische Konstruktion aus Stahl „Untitled“ (2015), dessen freigelegte Betonfundamente seine ehemalige Verortung lediglich als Spur erahnen lassen. Mit dieser Arbeit erschafft Walkowiak nicht nur einen Raum von temporären Schichten fragmentarischer Zeitlichkeit, sondern setzt den Besucher in einen unmittelbar performativen Bezug zum Werk.

Auf das modernistische Versprechen der Erhabenheit geometrischer Formen verweisen die skulpturalen Objekte „Untitled (Locked) (#1,#2)“ (2014/2015): Walkowiak kettet minimale Objekte aus Stahl und Beton mit Bügelschlössern zusammen und erzeugt somit dichte Choreographien und absurde Narrative: Die auf Besitz verweisenden Ready Mades machen die autonomen Objekte zu Fetischen gesellschaftlicher Rituale.

Die Serie „Black Rectangles” (2014) verhandlet räumliche Situationen formaler Bezüge über ein zweidimensionales Medium. Die minimalistischen Kompositionen haben installative Qualitäten: zwischen fotografischen Motiven und schwarzen Flächen eröffnen sich narrative Räume. Die Potenzialität des Zwischenraums der weißen Fläche des Papiers ist hier ebenso wichtig wie der leere Ausstellungsraum zwischen Walkowiaks skulpturalen Arbeiten in installativen Settings. Auch hier bleiben die Werke stets offen und generieren sich mit jeder Betrachtung neu.

Biografie

Kay Walkowiak,1980 in Salzburg geboren, lebt und arbeitet in Wien. Studium an der Akademie für bildende Kunst Wien und an der Universität für angewandte Kunst Wien. Ausstellungen u.a.: 2015 Les Recontres Internationales, Haus der Kulturen der Welt, Berlin; Auratic and Other Phenomena, Galerie Fünfzigzwanzig, Salzburg; WRO Media Art Biennale Wroclaw; 2014 Making Sense Out of Abstraction, Salzburger Kunstverein; 2013 Smriti, Austrian Cultural Forum New Delhi

Fotos | Photos Matthias Bildstein

Eröffnung 16.9.2015, 19:00
Ausstellung 17.9.–12.10.2015
Ort Hochhaus Herrengasse 6–8, Top 19, 1010, Wien

mit freundlicher Unterstützung
Bundeskanzleramt Kunst
Hochhaus Herrengasse Wien
Wien Kultur